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Amie Siegel, Genealogies, 2016, HD video, color/sound, Courtesy Simon Preston Gallery, New York

Filmvorführung
Berlinische Galerie

23 AUG—2 OKT 2017

12x12. Der IBB-Videoraum in der Berlinischen Galerie Amie Siegel

Im IBB-Videoraum werden innerhalb eines Jahres zwölf Künstler präsentiert, die durch einen innovativen Umgang mit Film und Video aufgefallen sind. Jeden Monat ermöglicht eine Auswahl an Arbeiten eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk eines Künstlers. Das Programm umfasst nicht nur etablierte Vertreter der zeitgenössischen Videokunst, sondern auch junge Künstler, deren Werke bisher kaum in Museen zu sehen waren. Die Realisierung erfolgt mit Unterstützung der Investitionsbank Berlin (IBB).

Amie Siegel arbeitet mit den Medien Film, Video, Performance, Fotografie und Sound. Sie beschäftigt sich häufig mit der Frage, wodurch Objekte einen bestimmten Wert erlangen und wie ein kulturelles Gedächtnis entsteht, das dann selbst zum Produkt wird. Siegel interessiert sich für filmische Konstruktionen von Orten und die Ikonografie von Architekturen. In ihren Arbeiten entstehen oft
vielschichtige atmosphärische Tableaus. Die beiden in der Berlinischen Galerie gezeigten Videoarbeiten fragen, wie Traditionslinien etabliert beziehungsweise Artefakte narrativ aufgeladen werden und reflektieren
das Verhältnis von Original und Kopie.

Ausgangspunkt für Genealogies (2016) ist die folgende Anekdote: Der Produzent des Films Le mepris (dt. Die Verachtung, 1963) soll den Regisseur Jean-Luc Godard aufgefordert haben, Brigitte Bardot häufiger in Nacktszenen zu zeigen, um bessere Einspielergebnisse zu erlangen. Davon ausgehend webt Siegel ein dichtes Netz an Verweisen und Bezügen rund um diesen Klassiker der Nouvelle Vague. Kern ihrer Reflexionen ist die ikonische Villa Malaparte auf Capri, in der zahlreiche Szenen des Films spielen. Siegel zeigt die skulpturalen und geschlechtsspezifischen Eigenschaften des architektonischen wie menschlichen Körpers auf. Sie fragt danach, wie diese in Filmen dargestellt und von der Werbe- und Musikvideoindustrie instrumentalisiert werden. Zudem führt sie Godards Prinzip des „Film im Film“ weiter: So identifiziert sie zahlreiche ineinander verschränkte Adaptionen und Traditionslinien, die sich rund um Film und Ort in den verschiedensten Bereichen entwickelt haben und einander auf komplexe Weise bedingen. Sie werden in einer scheinbar unendlich weiterzuführenden Genealogie von Autorschaften und gegenseitiger Einflussnahme zusammengeführt.

Fetish (2016) zeigt, wie die ehemaligen Wohnräume Sigmund Freuds in London, die heute ein Museum sind, ein Mal jährlich nachts penibel gereinigt werden. Das Entstauben seiner persönlichen Sammlung von archäologischen Statuen und Artefakten scheint einen Einblick in seine Interessen zu geben, wobei Siegels ruhige Kamerafahrt und die Nahaufnahmen der Objekte diese geradezu mythisch aufladen. Wenn der Blick des Betrachters auf der berühmten Couch des Psychoanalytikers zur Ruhe kommt, assoziiert man unwillkürlich Fragmente von Freuds Theorien. Trotz der scheinbar intimen Einblicke verdeutlicht Fetish, dass dieser vorgeblich authentische geschlossene Mikrokosmos ein inszenierter Ort ist, der dem visuellen Konsum dient.

Amie Siegel wurde 1974 in Chicaco (USA) geboren. Sie studierte am Bard College, New York und an der School of the Art Institute of Chicago. Siegel hatte Einzelausstellungen in der South London Gallery, der Villa Stuck, München, dem Kunstmuseum Stuttgart und dem Metropolitan Museum of Art, New York gezeigt. 2003 kam sie im Rahmen des DAADKünstlerprogramms nach Berlin. Aktuell lebt und arbeitet Siegel in Brooklyn, New York.

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