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© Alfredo Jaar

Ausstellung, Eröffnung
Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.)

14 SEP 2017—AUG 2018
Eröffnung 13 SEP, 18 Uhr

Alfredo Jaar. Rosa, Karl, Bertolt, Herbert and the others

Jährlich lädt der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) zeitgenössische Künstler*innen ein, ein Außenprojekt an der Fassade seines Gebäudes in der Chausseestraße zu realisieren und so den Blick auf den Stadtraum zu verändern. Das Arbeiten im öffentlichen Raum ist tief verankert in der Praxis von Alfredo Jaar, der seit Beginn seiner Karriere mit politischen Arbeiten Aufmerksamkeit erregt. Seine für den n.b.k. konzipierte Reihe von grafischen Schaubildern mit dem Titel Rosa, Karl, Bertolt, Herbert and the others (2017) bildet eine Hommage an Harun Farocki, dessen intellektuelle Vorbilder und den allen gemeinsamen kritischen Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse, während die Arbeit zugleich die wechselvolle Geschichte der Chausseestraße thematisiert. Als eine der ältesten Straßen Berlins markiert sie seit dem 19. Jahrhundert einen wichtigen Produktions- und Wirtschaftsstandort, der im Laufe der Geschichte verschiedenste Industrien beheimatete – vom Maschinenbau bis hin zur Werbung. Von 1961 bis 1990 war die Straße durch die Berliner Mauer geteilt und durch einen streng kontrollierten und stets weiter ausgebauten Checkpoint im Nordwesten geprägt. Acht Jahre vor dem Mauerbau bildete der Grenzübergang Chausseestraße einen der Brennpunkte des Aufstands vom 17. Juni 1953, als rund 10.000 streikende Stahlarbeiter hier aufmarschierten.

Alfredo Jaar greift herausragende historische Momente wie diesen auf und referenziert sie in der Arbeit Rosa, Karl, Bertolt, Herbert and the others (2017), die zugleich vier der zahlreichen Intellektuellen benennt (Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Bertolt Brecht und Herbert Marcuse), deren Denken Harun Farockis Werk nachhaltig beeinflusst hat. Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts radikal pazifistisches und sozialistisches Programm führte 1916 zur Gründung des Spartakusgruppe in der Chausseestraße 121, dem Sitz von Liebknechts Anwaltspraxis bis zu seiner und Rosa Luxemburgs Ermordung in 1919. Nur wenige Meter weiter, in direkter Nachbarschaft zum Neuen Berliner Kunstverein, befindet sich das Brecht-Haus, in dem ab 1953 das Ehepaar Bertolt Brecht und Helene Weigel lebte und arbeitete. Heute dient es als Gedenkstätte für das Schaffen beider Persönlichkeiten und ihre Auseinandersetzung mit machtpolitischen Fragestellungen; zugleich bildet es das älteste noch erhaltene Gebäude der Chausseestraße.

Fasziniert davon, wie viele von Harun Farockis Themen – Arbeitswelten und ihre Veränderung, Herrschaftstechniken, die Kraft des Visuellen und Möglichkeiten der Opposition – in der Geschichte der Chausseestraße zusammenfließen, hat Alfredo Jaar eine Art Bilderrätsel entworfen, das die Betrachter*innen zur Entschlüsselung und Reflektion einlädt.

Alfredo Jaar (*1956 in Santiago de Chile) lebt und arbeitet in New York. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen und Großprojekten weltweit präsentiert, zuletzt u. a. Museum of Contemporary Art, Chicago (2016); Deichtorhallen, Hamburg (2015); Times Square, New York (2014); Stedelijk Museum, Amsterdam (2014); Museum of Modern Art, New York (2013). 2012 zeigten drei Berliner Institutionen (Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlinische Galerie und Alte Nationalgalerie) eine Retrospektive von Jaars Werk. Seine Arbeiten waren wiederholt auf den Biennalen von Venedig (2013; 2009; 2007; 1986) und São Paulo (2010; 1989; 1987) zu sehen, zudem ist Jaar zweimaliger documenta-Teilnehmer (1987; 2002).

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