Kalender

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  • Sa 16.09
  • So 17.09, 13:30h

©Art & Language, Courtesy the Artists and Lisson Gallery

Performance
Kunstsaele Berlin

performed by The Jackson Pollock Bar
17 SEP, 13.30—14.30 Uhr
 

Art & Language Speaking of 'Nobody Spoke'

Der Geschäftszweck der Jackson Pollock Bar ist die Installation von Theorie. Theorien, und vor allem ästhetische Theorien, bilden nicht länger einen neutralen, abstrakten Hintergrund der Kunst. Sie sind vielmehr ihr materialer Bestandteil geworden. Das Ästhetische ist diskursiv geworden und der Diskurs ästhetisch. Dies ist die Implosion der Kunst in den Diskurs. Theorien unterscheiden sich von Werken nur auf der Beobachtungsebene erster Ordnung - durch unterschiedliche Qualitäten, Logiken und Erfahrungsmodi. Wenn die Welt zur Ausstellung wird, nämlich zur Selbstausstellung von Beobachtungen, dann kann das Ausstellen kein Privileg der Kunst mehr sein. Ausstellen ist nicht mehr an die Ausstellung gebunden; Ausstellen heißt einfach: für den Kommunikationsprozess beobachtbar machen. Die Ausstellung ist seither ein Spezialfall: nämlich der methodische Reflexionsort des Sich-der-Beobachtung-Aussetzens von Beobachtungen. Theorien, die ein Bewußtsein für ihre Stellung im Kommunikationsprozess entwickeln, müssen auf die Art ihres Beobachtetwerdens achten, d.h. sie müssen ausgestellt werden. Dadurch entfalten sie ästhetisches Bewußtsein. Wichtig ist die Brechung der authentischen Unmittelbarkeit von Theorie. Dadurch wird die Wahrnehmung von Künstlichkeit, Konkretheit und Kontextualität, also die Beobachtung zweiter Ordnung, ermöglicht. Auf etwas ähnliches zielte ja bekanntlich Brechts V-Effekt. Die Präsenz von Theorie muß ausdifferenziert werden in Autor, Werk, Interpretation und Darstellung  – und die Darstellung ihrerseits in Bild und Ton. Dazu haben wir das Playback-Verfahren entwickelt. Das Playback-Verfahren muss für dieses Anliegen aus der üblichen Simulationsabsicht herausgelöst und zu einer sinnlichen Verdoppelung vergröbert werden. Bevorzugter Spielort der Theorie-Installationen sind die Ränder des Kunstsystems, die Schnittstellen zwischen Theorie und Kunst: Bars, Foyers, Vernissagen und Symposien, Orte, in denen sich objekthaft-mediale ästhetische Kommunikation (Werke, Räume) und zwischen-menschliche Kommunikation ("Reden") überlagern und durchmischen.

C.M. Kurzführer documenta X 1997 Kassel    
 

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