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© James Thornhill / Studio Claire Fontaine. Courtesy Claire Fontaine und / and Galerie Neu, Berlin

Ausstellung, Eröffnung
Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.)

14 SEP 2017—26 JAN 2018
Eröffnung 13 SEP, 18 Uhr 

Claire Fontaine. The Crack-Up

Zerbröselte Salzcracker in ihrer Zellophanverpackung; ein Dutzend Murmeln, versammelt unter einem umgedrehten Glas; die leicht manische Miene eines nervösen Menschen, genötigt schweigend unter dem ununterbrochenen Blick der Kamera zu stehen. Trotz ihrer offensichtlichen Verschiedenartigkeit sind diese drei Bilder – zwei Leuchtkastenfotos und ein Video – von der Pariser Readymade-Künstlerin Claire Fontaine Teil eines gemeinsamen, wenn auch schwer zu benennenden Zustands. Nennen wir es die bevorstehende Bedrohung durch eine Ausbreitung oder Fragmentierung, die dürftig und vorübergehend gebannt ist. Zumindest momentan wird der bevorstehende Ausbruch von Energie spärlich eingedämmt: Die Cracker verbreiten sich nicht über den Tisch; die Murmeln rollen nicht in alle Richtungen; der Mann vor der Kamera bricht nicht zusammen. In einem weiteren Augenblick wird vielleicht alles auseinanderfallen, die hier abgebildete instabile Einheit löst sich in einer Vielheit auf – derart scheint die anregende Spannung dieser Bilder zu sein. Aber da ist noch etwas anderes, was ihnen gemein ist: Jedes, in seiner Banalität oder Monotonie, scheint unserer Betrachtung kaum würdig zu sein, auch wenn sein Format, das die gängigen visuellen Techniken unserer bildgesättigten Gesellschaft annimmt, genau jene Aufmerksamkeit zu fordern scheint, die wir verwehren. Eine Warhol’sche Stummheit herrscht hier, durchbrochen nur von dem übertriebenen Schlucken, dem Zungenschnalzen und gelegentlichen Murmeln des Dichters Douglas Park, mit dem er zwanzig Minuten des Nichtsprechens ausfüllt und dabei jenen paradoxen Gehilfen verkörpert, jenen Tau-genichts – ein Gegenstück zur Künstlerin selbst –, der in komisch-grotesker Weise seine Botschaft der Freiheit nur in der „Sprache der Taubstummen“ übermitteln kann, wie ein Philosoph und Freund es einmal beschrieben hat. Unsere vage Enttäuschung angesichts dieser Bilder ist nur ein Spiegel des Vergessens – dessen, was verloren ist, vergessen und zerstört –, welches sie alle in sich tragen; sie treten uns entgegen als Schuldscheine auf eine Zukunft, in der all diese Unbeholfenheit getilgt sein wird. (Tom McDonough) 

Claire Fontaine ist ein Künstler*innen- und Autor*innenkollektiv, das 2004 in Paris gegründet wurde und in den Medien Skulptur, Installation, Malerei und Videokunst arbeitet. In ihren Werken untersucht sie die Probleme und Paradoxa des Kapitalismus sowie die Erfahrung der Fremdheit. Im Zusammenhang mit dem von Claire Fontaine geprägten Begriff „Ready-Made Artist“ problematisiert sie zudem den Begriff der Autorschaft und hinterfragt kritisch die Formen der künstlerischen Subjektivierung. Zuletzt wurden Claire Fontaines Arbeiten u. a. gezeigt: Museo Pietro Canonica und Villa Medici, Rom (2016); Schirn Kunsthalle Frankfurt (2014); Jewish Museum, New York (2013); CCA Wattis Institute for Contemporary Arts, San Francisco (2013, 2009); Museion, Bolzano (2012; 2006); El Museo Tamayo Arte Contemporáneo, Mexiko-Stadt (2010); MOCA, Miami (2010); Contemporary Art Museum St. Louis (2008); Kubus / Lenbachhaus, München (2008); Witte de With, Rotterdam (2008); The Kitchen, New York (2008); Palais de Tokyo, Paris (2007); Kunsthalle Zürich (2007). Teilnahme u. a.: Architektur Biennale Venedig (2016); CAFAM Biennale, Peking (2014); Thessaloniki Biennale (2013); Performa, New York (2013); Shanghai Biennale (2012/2013); Manifesta, Genk; Rovereto (2012; 2008); Istanbul Biennale (2011; 2007); Moskau Biennale (2011).

Kuratorin: Kathrin Becker
 

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