Kalender

  • Mi 13.09, 18:00h
  • Do 14.09, 13:00h
  • Fr 15.09, 13:00h
  • Sa 16.09, 13:00h
  • So 17.09, 13:00h

Daria Martin, A Hunger Artist, Filmstill, HD Film, 15 min, 2017, © Daria Martin, courtesy Maureen Paley, London
Daria Martin, A Hunger Artist, Filmstill, HD Film, 15 min, 2017, © Daria Martin, courtesy Maureen Paley, London
Daria Martin, A Hunger Artist, Filmstill, HD Film, 15 min, 2017, © Daria Martin, courtesy Maureen Paley, London
Daria Martin, A Hunger Artist, Filmstill, HD Film, 15 min, 2017, © Daria Martin, courtesy Maureen Paley, London

Ausstellung,
Schering Stiftung

14 SEP—10 DEZ 2017
Eröffnung 13 SEP, 18 Uhr

Daria Martin: A Hunger Artist

A Hunger Artist ist die bis dato ambitionierteste Arbeit der Londoner Künstlerin Daria Martin und bündelt verschiedene Themen ihres bisherigen Werkes wie Voyeurismus, Machtbeziehungen, das Surreale, der Mythos des Künstlers und körperliche Verwandlungen. Ihr neuer Film ist ein komplexes, vielschichtiges Kunstwerk an der Schnittstelle zu Literatur, Psychologie und Wissenschaft und adaptiert auf experimentelle Weise ein Meisterwerk der modernen Literatur, Kafkas Erzählung „Ein Hungerkünstler“ (1922/1924). Bei der Geschichte, deren Druckfahne Kafka noch in den letzten Tagen vor seinem Tod prüfte, handelt es sich um eine doppeldeutige Allegorie über einen Künstler, dessen wochenlanges, öffentliches Hungern Hunderte von Menschen in den Bann zieht, bis das Publikum schließlich das Interesse verliert und er sich, gerade noch sich selbst zu Gefallen, zu Tode hungert. 
 
Der Film A Hunger Artist (HD mit Ton, 15 min.) beleuchtet unsere widersprüchliche menschliche Erfahrung vom Körper als „Objekt“ und „Subjekt“ zugleich – einerseits als Materie, die es zu quantifizieren und zu verändern gilt, andererseits als Tor zur phänomenalen, gelebten Erfahrung. Die Obsession des Hungerkünstlers mit seiner Uhr und das Zählen der Fastentage durch seinen Impresario erinnern an aktuelle kulturelle Trends der digitalen Vermessung des Körpers (z.B. Kalorien- und Schrittzählerapps) und der Selbst-Objektifizierung mithilfe der sozialen Medien. 
 
A Hunger Artist ist Martins erster in HD gedrehter Film. In ihren 16-mm-Filmen der letzten 17 Jahre versucht Martin eine Kontinuität zwischen disparaten Medien (wie z. B. Malerei und Performance), zwischen Menschen und Objekten oder zwischen inneren und gesellschaftlichen Welten herzustellen. Menschliche Gestik und verlockende Bilder treffen auf physisch-manierierte Kunstgriffe, um die erlernten Wahrnehmungsmuster der Zuschauer aufzubrechen. Ihre Themen – seien es Roboter, ein Archiv von Traum-Tagebüchern oder Kartentricks – werden innerhalb isolierter Räume wie beispielsweise einer Theaterkulisse, einer Militärakademie oder einer übergroßen modernistischen Skulptur erkundet. Diese geschützten, aber fragmentierten Kulissen, voller Risse und Schatten, stehen für die Möglichkeiten des Mediums Film selbst, einem durchlässigen Gefäß, das die Welt als Ganzes aufnimmt und verarbeitet.

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