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Wilson Díaz, "Quimera", Museo Tamayo, Mexico City. Foto: Agustin Garza
Wilson Díaz, "Quimera", Museo Tamayo, Mexico City. Foto: Agustin Garza

Ausstellung, Eröffnung
daadgalerie

16 SEP—15 OKT 2017
Eröffnung 15 SEP, 19—21 Uhr

Wilson Díaz. Chimera

Wilson Díaz wurde 1963 in einem Koka-Anbaugebiet im ländlichen Kolumbien geboren und wuchs in unmittelbarer Nähe zu dem bewaffneten Konflikt auf, der die politische Bühne – und Bildkultur – des Landes seit über 50 Jahren beherrscht. Seit Mitte der 1990er-Jahre lebt der Künstler in Cali und nutzt Malerei, Performance, Installation und Video, um die komplizierten Verstrickungen der Geschichte Kolumbiens und seiner ständig wechselnden Protagonisten und ideologischen Positionen aufzuzeigen. Sein immenses eklektisches Oeuvre nähert das Schaffen bildender Kunst dem Schreiben von Kulturgeschichte an, das sich epischen, linearen Erzählungen mit ihren Versprechen von Auflösung und Fortschritt verweigert. 

In einer Reihe von dokumentarisch anmutenden Videos, die er mit einer billigen Handkamera beim Besuch einer entmilitarisierten Region im Süden Kolumbiens während der (gescheiterten) Friedensgespräche 1999–2002 drehte, beleuchtete Díaz die täglichen Freizeitaktivitäten der Guerillasoldaten und hob sich mit seiner empathischen Darstellung deutlich von den konventionellen Medienkarikaturen ab, die die Guerilla eindimensional als Erzfeind darstellen. „Los rebeldes del sur“ (2002) dokumentiert ein Konzert von „Julian Conrado y los compañeros“: einer FARC-Band, deren Leadsänger ein neuer Stern am Vallenato-Himmel war, bevor er sich der Revolution anschloss. Obwohl der Vallenato üblicherweise mit Liebe und Herzeleid assoziiert wird, gibt diese Musik seit langem dem täglichen Kampf der ländlichen Bevölkerung Ausdruck und fungiert damit als subtile Form von öffentlichem Protest. Der Vallenato ist außerdem eng mit der Kultur des Drogenhandels verflochten und vielleicht wichtiger noch zu einem zentralen Symbol von Nationalstolz und nationalem Selbstverständnis geworden. 

Eine spätere Werkreihe beschäftigt sich eingehender mit der Rolle von volkstümlicher Musik bei der Konfiguration eines politischen Subjekts und Diskurses. Ausgangspunkt mehrere Arbeiten ist Díaz’ enorme Plattensammlung, darunter Singles, die bekannte Musiker zwischen 1970 und 1988 für den Präsidentschaftswahlkampf aufnahmen, und Alben, deren Cover ein ästhetisches Gangster/Guerilla-Produkt der US-amerikanischen Filmindustrie und der kubanischen Revolution sind. 

In seiner Installation „Quimera“ (2015) zeichnet Díaz mithilfe von Albumcovern aus mehreren Jahrzehnten kulturgeschichtlich nach, wie staatliche Stellen, Privatkonzerne, die Guerilla und sogar die Kartelle ihre wirtschaftlichen Interessen und ideologischen Positionen über popkulturelle Formen ausüben.

Die jüngste Ausgabe von „Quimera“ entstand 2017 für eine Ausstellung im Museo Tamayo in Mexico City. Eine weitere Version des Projektes mit dem englischen Titel „Chimera“ wird in der daadgalerie gezeigt. Während der Art Week wird Wilson Díaz in einer Lecture-Performance Kolumbiens (pop-)musikalische und politische Kultur in Auszügen behandeln. 

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