Kalender

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Bettina Pousttchi, Echo 04, 2009/2010. Courtesy die Künstlerin und Buchmann Galerie
Bettina Pousttchi, Echo 19, 2009/2010. Courtesy die Künstlerin und Buchmann Galerie
Bettina Pousttchi, Echo 01, 2009/2010 © Bettina Pousttchi, Courtesy the artist und Buchmann Galerie

Eröffnung
NEUER BERLINER KUNSTVEREIN (n.b.k.)

Ausstellung 12 SEP—13 OKT 2019
Eröffnungen 11 SEP 2019, 18 Uhr

Eröffnung 1989—2019: Politik des Raums im Neuen Berlin

Das mit dem Mauerfall eingeläutete Ende der Blockkonfrontation zwischen Ost und West—eine Zäsur, die den Politikwissenschaftler Francis Fukuyama vom ›Ende der Geschichte‹ sprechen ließ—hatte in Berlin, wo die kapitalistische und die realsozialistische Weltordnung räumlich unmittelbar aufeinanderprallten, ganz besondere Auswirkungen für die Stadtentwicklung. Einerseits wurden neue politische und kulturelle Räume eröffnet, andererseits ebnete der Mauerfall einer Neoliberalisierung der Politik den Weg. Begründet wurde der politische Reformwille mit der Notwendigkeit, mit anderen Metropolen konkurrieren zu können. Die neue Raumpolitik vollzog sich auf drei Ebenen: Tiefgreifende Verwaltungsreformen machten die flächendeckende Veräußerung kommunaler Liegenschaften möglich, die Langzeitfolgen setzen heute den Wohnungsmarkt und das sozialräumliche Gefüge der Stadt zunehmend unter Spannung. Auf der architektonischen Ebene bediente der Berlinische Neohistorismus das Bedürfnis nach  nationaler Identität, doch die architektonische Rekonstruktionsdebatte der 1990er Jahre funktionierte als ideologische Überblendung und verschleierte die genannten Transformationsprozesse.

Die Inszenierung Berlins als cultural hub im Gefolge der Berliner Bankenkrise ist Ausdruck einer neuen Stadtpolitik, die mittels einer gezielten Inwertsetzung von Sub- und Gegenkulturen den Mythos des kreativen Berlin zu überhöhen und die Stadt als einen globalen Sehnsuchtsort zu etablieren sucht. Die Ausstellung 1989—2019: Politik des Raums im Neuen Berlin skizziert die urbanistische und architektonische Entwicklung vom vermeintlichen ›Ende der Geschichte‹ her: Wie ist Berlin zu dem geworden, was es heute ist? Dabei geht es nicht um Vollständigkeit im Sinne einer linearen Geschichtsschreibung, sondern um die Darstellung teils widersprüchlicher Prozesse und Narrative, die sich bis heute im gebauten Berlin überlagern und verdichten. Das eine Berlin gibt es nicht, dafür viele Mythen und Imaginationen dessen, was Berlin sein soll. Die Ausstellung reflektiert die Perspektiven und Mythen der Geschichte, des Marktes und der Kreativität.

Ausstellung 19892019: Politik des Raums im Neuen Berlin
Eigens für die Ausstellung realisierte Projekte machen unterschiedliche stadträumliche Politiken und ihre Folgen für das Berlin von heute anschaulich. Eine raumgreifende Kartografie der Privatisierung Berlins visualisiert erstmals umfassend den in den vergangenen Jahrzehnten erfolgten Verkauf von Liegenschaften der öffentlichen Hand. Mit dem Glossar der Privatisierung analysiert Andrej Holm Begriffe, die administrative Instrumentarien und Vorgänge widerspiegeln, auf deren Grundlage der umfangreiche Verkauf landeseigener Immobilien vollzogen wurde. Charlotte Malterre-Barthes präsentiert mit Studierenden der Technischen Universität Berlin das Immobilienportfolio Real Estate of Emergency, das rund dreißig aktuelle Spekulationsobjekte untersucht und die dahinterstehenden Interessen offenlegt. Guerilla Architects untersuchen die Sprache des spekulativen Wohnungsmarktes, indem sie ein Glossar der Immobiliensprache filmisch umsetzen. Schroeter & Berger setzen sich mit dem Kreativitätsdispositiv der städtischen Marketingkampagne be Berlin auseinander und adaptieren deren Ästhetik mittels Collage, Montage und Détournement. Aufbauend auf einer Forschungsarbeit der Architekturtheoretikerin Verena Hartbaum, die Berlins historisierende Architekturen systematisch erschlossen hat, dokumentierte Daniel Poller die Vielzahl von Neubauten der letzten drei Jahrzehnte fotografisch, um anhand ihrer Gestaltungsprinzipien soziale Distinktions- und Ausschlussmechanismen aufzuzeigen. Poller imaginiert mit seiner Videoinstallation ein realexistierendes Berlin, das die Vergangenheit zur gesellschaftlichen Zielvorstellung erkoren hat.

Mit Ausstellungsbeiträgen von Guerilla Architects in Zusammenarbeit mit Philine Schneider und Shahrzad Rahmani, Verena Hartbaum, Andrej Holm, Charlotte Malterre-Barthes (mit Studierenden der Technischen Universität Berlin), Daniel Poller, Schroeter & Berger, Florine Schüschke

Künstlerische Leitung: Marius Babias, Anh-Linh Ngo; Kuratorisches Team: Frederick Coulomb, Nora Dünser, Mirko Gatti, Dorothee Hahn, Christian Hiller, Max Kaldenhoff; Projektleitung: Max Kaldenhoff, Arkadij Koscheew; Projektkoordination: Krisztina Hunya, Christine Rüb; Ausstellungsarchitektur: ARCH+ in Zusammenarbeit mit Peter Grundmann

Öffentliche Redaktion
ARCH+ ist eine unabhängige Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. Gegründet im Gefolge des 1968er-Aufbruchs, liegt der Schwerpunkt auf der kritischen Reflexion des gesellschaftlichen Anspruchs von Architektur. Jedes Heft beleuchtet eingehend ein Thema und greift dabei aktuelle Diskussionen aus anderen Disziplinen in Hinblick auf architektonische und urbanistische Fragestellungen auf. Im Zeitraum der Ausstellung verlagert ARCH+ ihre Redaktionsräume in den Neuen Berliner Kunstverein, um hier aufbauend auf Ausstellung und Diskursprogramm eine Ausgabe zu erarbeiten, die die diskursiven und politischen Veränderungen der jüngsten Zeit sowie das gegenwärtige Paradigma der Berliner Raumpolitik thematisieren soll. Wie bereits während der documenta 12 (2007) gestaltet ARCH+ einen Ausstellungsort zu einer öffentlichen Redaktion um und verbindet künstlerische Positionen mit kritischer Theorieproduktion.

Diskursprogramm
Selektive Blicke in die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Stadt sollen ausloten, wie das urbane Berlin heute zusammengesetzt ist. Politiker*innen, Architekt*innen, Stadttheoretiker*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen diskutieren die Politiken des Raums im Neuen Berlin: Was tun gegen geschichtsvergessene Bestrebungen? In welcher Verfassung sind urbane soziale Bewegungen derzeit, wie lässt sich ihr Verhältnis zu Parteipolitik emanzipatorisch fassen? Welche Zusammenschlüsse, Planungsansätze und Architekturen werden benötigt, um ein solidarisches Berlin der Offenheit zu gestalten?

Eintritt frei zu allen Veranstaltungen, mehr Informationen zum Diskursprogramm unter nbk.org

Termine