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Joshua Schwebel, Subsidy, 2015. Courtesy the artist
Joshua Schwebel, Subsidy, 2015. Courtesy the artist, photo courtesy Sandy Volz, 2015

Ausstellung, Projektraum
KREUZBERG PAVILLON

Ausstellung 30 AUG—27 SEP 2019, Do—So 12—18 Uhr
Eröffnung 30 AUG 2019, 19—22 Uhr

Joshua Schwebel. The Ground

Berlin Art Prize 2019—Nominiertenausstellung

Ortsspezifische Installation aus Recyclingholz von Baustellen in der Nähe des Kreuzberg Pavillons gesammelt wurde; oder bereits vorhandene Dielen, die entfernt, aufgearbeitet und neu gestaltet wurden; oder die ›Modernisierung‹ der Räumlichkeiten.

Drei mögliche Erzählungen, 2019

1) Brief und Broschüre, die der Kreuzberger Pavillon und andere Mieter des Gebäudes von den Eigentümern Deutsche Wohnen erhalten haben und in der die Politik der DW in Bezug auf Mieterhöhungen nach dem Einfrieren der neuen Miete im Hinblick auf Renovierungen oder Modernisierungen dargelegt wird. Handgezeichnete Reproduktion der Broschüre, die an alle Mieter im Haus zurückgesandt wird.

2) Unter den Dielen entdeckte Artefakte, darunter verrottende Zettel, Pfennigmünze von (Westdeutschland), Kinokartenstumpf, ›Henko‹-Schild.

3) Wikipedia-Eintrag für den Kreuzberger Pavillon, Veröffentlichung bis zum Genehmigungsverfahren der Wikipedia-Community.

Joshua Schwebel (geb. 1980 in Toronto, Kanada) ist ein konzeptioneller Künstler, der die Wechselbeziehungen zwischen der zeitgenössischen Kunst und ihren breiteren politischen und wirtschaftlichen Kontexten sichtbar macht. Er beginnt nicht mit einem unabhängigen materiellen Prozess, vielmehr nutzt er die ihn gastgebenden Institution selbst als Rohstoff. Seine Arbeiten entfalten sich im Laufe von Zeit und Nutzung. Mit ihnen formuliert Schwebel das Angebot, die administrative, symbolische oder architektonische Struktur der Institution zu ändern. In seiner Auseinandersetzung mit den relationalen Systemen in der zeitgenössischen Kunst, verhandelt er in seiner Ausstellung schließlich auch den Erfolg oder die Erfolglosigkeit seiner Projekte.

Ausgangspunkt seiner Intervention im Kreuzberg Pavillon, einen sozial engagierten Projektraum zwischen Kottbusser Tor und Moritzplatz, ist der Standort der Ausstellung. Die Gegend, traditionell ein Arbeiterkiez, ist stark von Aufwertungsprozessen betroffen: drastische Mietsteigerungen haben bereits viele kleine Unternehmen vor Ort zur Schließung gezwungen und verdrängen die eingesessene Bevölkerung. Jedoch hat sich starker Widerstand entwickelt. Mit ihm geht auch der Aufruf zur Enteignung von Wohnungsunternehmen und der Verhinderung weiterer Immobilienspekulation einher: Deutsche Wohnen enteignen! ist ein Slogan der Protesten.

Die Deutsche Wohnen ist das Aushängeschild für Unternehmen, die in Berlin mit Methoden wie einer vermeintlichen Modernisierung überhöhte Mieten für Wohnraum rechtfertigen. Sie ist zufällig auch der Vermieter für den Kreuzberg Pavillon. In The Ground unterwandert Schwebel das materielle Vokabular derartiger Immobilienfirmen und untergräbt mit einer ultra-ortsspezifischen Installation ihre PR-Rhetorik. Dabei holt er auch Schichten konkreter Stoffe und abstrakter Erinnerungen, die vom fortlaufenden Kampf um bezahlbaren Wohnraum erzählen.

Diese Ausstellung wird unterstützt von der Botschaft von Kanada.

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