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  • Fr 13.09
  • Sa 14.09 , 16:30h
  • So 15.09 , 06:00h

Beatrice Schuett Moumdjian, 2019
Alexis Dworsky, Fitte Kadenz, Testlauf, 2019
Josefine Günschel, Versichern I Entsichern, 2019 (Detail)
Stephanie Hanna, Worauf basiert Frieden?, 2019 (Entwurf)
Miro Kaygalak, Dual-Use, 2019

Ausstellung, Performance , Eröffnung
NEUE GESELLSCHAFT FÜR BILDENDE KUNST (nGbK)

Kunst im Untergrund 2019—Up in Arms

Im Jahr 2019 ist ein eklatanter Anstieg deutscher Rüstungsexporte zu beobachten. Auch wenn Berlin längst kein Hauptstandort der Waffenproduktion mehr ist, spielt die Stadt noch immer eine zentrale Rolle im Rüstungshandel. Hier werden die Weichen gestellt für die politischen Entscheidungen, die die Rüstungsproduktion und -exporte regeln. Deshalb sind die größten Rüstungsunternehmen und -verbände in der Hauptstadt ansässig und können ihre Interessen im politischen Vorraum vertreten. Die physische Nähe zwischen Lobbyismus und Politik übersehen viele und wenn Besucher*innen der Stadt das Brandenburger Tor ablichten, wissen sie nicht, dass sie gleichzeitig die Standorte bedeutender Rüstungsfirmen fotografieren.

Mit dem Titel ›Up in Arms‹ (dt. ›energisch gegen etwas protestieren‹) widmet sich der Wettbewerb ›Kunst im Untergrund 2019‹ der Rüstungsindustrie in einer kritischen Auseinandersetzung. Die ausgewählten Künstler*innen intervenieren mit ihren Arbeiten im Stadtraum genau dort, wo sie für die Rüstungsindustrie wichtige historische und aktuelle Orte markieren. Die wirtschaftlichen und politischen Strukturen und die Auswirkungen des Waffenhandels werden offengelegt. Dabei gehen die Kunstwerke über die bloße Markierung hinaus, sie laden zur kritischen Reflexion ein und rufen—Up in Arms—zum Protest auf.

Die parallel dazu stattfindenden Stadtführungen sind ein gemeinsames Angebot aus der Zusammenarbeit mit dem Verein LobbyControl. Sie bieten eine eweiterte Form der Auseinandersetzung: Intrinsische Verknüpfungen von Rüstungslobby und -industrie, Alltagsleben und Kunstbetrieb werden nachvollziehbar gemacht. Eine Webseite bietet weitere Informationen und Recherchen zu den in Berlin ansässigen Hauptakteur*innen und verzeichnet auf einem Stadtplan deren Standorte.

nGbK-Projektgruppe: Ayşe Güngör, Cassandra Mehlhorn, Gabriela Seith, Amalie Sølling-Jørgensen, Johanna Werner; Projektkoordination: Naomi Hennig

Alexis Dworsky ›Fitte Kadenz‹
in Zusammenarbeit mit Cajus Heinzmann
Jogging Performance im öffentlichen Raum
14 SEP 2019, 16.30—18 Uhr
Start- und Endpunkt: Platz der Luftbrücke, Haupteingang Flughafen Tempelhof
15 SEP 2019, 16.30—18 Uhr
Start- und Endpunkt: Eingang zum U6-Bahnhof Stadtmitte, Höhe Friedrichstraße 60
27 SEP 2019,  ab 17.30 Uhr
Start- und Endpunkt: Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2

Eine Gruppe Jogger*innen läuft im Gleichschritt durch Berlin. Ein Freestyle-Hip-Hopper gibt dabei als ›Drill Instructor‹ im Kadenz-Singsang den Text vor, der vom Pulk der Läufer_innen wiederholt wird. ›Fitte Kadenz‹ ist eine performative Choreografie im öffentlichen Raum, die den verdeckten Militarismus in unserer Alltagskultur und die Aktivitäten der Rüstungsindustrie in Berlin thematisiert. Drei Läufe durch Mitte, Kreuzberg und Tempelhof führen jeweils an Firmenstandorten, an historischen Orten der Rüstungsproduktion, sowie an Standorten rüstungskritischer Organisationen vorbei.

Stephanie Hanna ›Worauf basiert Frieden?‹
Platz der Luftbrücke, Haupteingang Flughafen Tempelhof
Platz der Luftbrücke, Tempelhof Airport main entrance
Ausstellung 15 SEP—Ende 2019
Eröffnung 14 SEP 2019, 18 Uhr

Das globale Wettrüsten wird oft mit Friedenserhalt begründet, jedoch ist das Gegenteil der Fall: Die bloße Existenz von Waffen ist als Gewaltandrohung bereits eine Form der strukturellen Gewalt. Die Bodenposterarbeit der Künstlerin Stephanie Hanna ist einem Perserteppich bzw. einem afghanischen Kriegsteppich nachempfunden. Die zentrale Frage: ›Worauf basiert Frieden?‹ In zahlreiche Sprachen übersetzt, spannt sie sich über ein filigranes Muster, dessen Grundmotive erst auf den zweiten Blick als Waffenabbildungen erkennbar werden.

Miro Kaygalak ›Dual-Use‹
Plakatflächen hinter den Gleisen der U6-Bahnhöfe Paradestraße und Platz der Luftbrücke
Ausstellung 15 SEP—Ende 2019
Eröffnung 14 SEP 2019, 17.30 Uhr

In dieser Arbeit geht es um die prinzipielle Verwendbarkeit von Gütern zu zivilen als auch militärischen Zwecken. Zwei Plakate zeigen einen beschrifteten Apfel und spielen mit der ›zweifachen‹ Verwendung dieses Schriftträgers: Während hierzulande Unternehmen laser-beschriftetes Obst als Werbeträger für Konsumgüter benutzen, hat der Apfel eine ganz andere Symbolkraft im Zusammenhang mit den Ereignissen im Nordirak im Jahr 1988: Das Giftgas, das damals unter Führung von Saddam Hussein gegen Kurd*innen eingesetzt wurde roch nach Äpfeln. Dieses Ereignis hat sich in das kollektive Gedächtnis der Betroffenen eingeschrieben. Der Künstler stellt nun den Namen eines der 5000 Opfer dem Namen eines Unternehmens gegenüber, das maßgeblich an der Herstellung und Lieferung von Geräten beteiligt war, die damals im Irak zur Produktion von Giftgas genutzt wurden.

Beatrice Schuett Moumdjian ›Forensic Excavations Inventory or The Total Deconstruction of an Armenian Family‹
Plakatflächen hinter den Gleisen U6-Bahnhof Stadtmitte
Ausstellung 15 SEP—12 NOV 2019
Eröffnung 15 SEP 2019, 18 Uhr

Beatrice Schuett Moumdjians collageartige Plakatserie beschäftigt sich mit der Rolle, die deutsche Rüstungsunternehmen im Zusammenhang mit der Geschichte ihrer Familie und dem Armeniengenozid während des Ersten Weltkriegs spielten. Die Künstlerin bedient sich dabei der archäologischen Methode des ›Forensic Excavations Inventory‹, um ihre Familienbiografie zu erforschen. Sie stellt sich damit gegen eine Historisierung des Konflikts und transportiert ihn in den Berliner Stadtraum der Gegenwart. Das Kunstwerk verweist auf die Auswirkungen von Krieg—Tod, Flucht und Migration—die auch nach mehreren Generationen noch spürbar sind.

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